Chronik Teil 1
Chronik Teil 2
Aufnahme 1962
Aufnahme 1982
Vertrag von 1902
Ordnung des Dietlinger Posaunenchores von 1986
Ordnung
des Dietlinger Posaunenchores von 2003 (pdf-Datei)
Der Posaunenchor Dietlingen feiert im Jahr 2002 sein 100-jähriges Bestehen.
Wie alt der Chor genau ist, lässt sich jedoch nicht mehr exakt feststellen. Am 10. August 1902 hatten die damaligen sieben Bläser, allesamt Mitglieder des hiesigen Vereins für innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses - kurz AB-Verein - unter Vorsitz von Adolf Frey ihre Statuten in einem Vertrag schriftlich festgehalten. Aus den Unterlagen des Posaunenchores im Nachbarort Ellmendingen geht jedoch hervor, dass dieser bei seiner Gründung 1901 vom Dietlinger Posaunenchor gebrauchte Instrumente günstig erworben hat. Es muss also bereits vor 1902 in Dietlingen Bläser gegeben haben, die sich - getragen vom Geist der Erweckungsbewegung und dem bläserischen Ideal Eduard und Johannes Kuhlos - zum Ziel gesetzt hatten, „das Lob unseres Gottes zu erhöhen in Kirche und Versammlung und so auf diese Weise unser und anderer Seelenheil zu fördern."
Die Gründungsmitglieder waren:
| Adolf Frey | Karl Friedrich Hotter | |
| Wilhelm Freivogel | Albert Bischoff | |
| Jakob Stängle | Emil Bischoff | |
| Karl Glatthorn | Gottlieb Schlittenhardt | |
| Emil Bürkle |
Während des Ersten Weltkrieges kam die Probenarbeit weitgehend zum Erliegen. Etliche Bläser wurden zum Kriegsdienst eingezogen, auch Adolf Frey. Er kehrte nicht mehr zurück.
Ende Dezember 1918 wurde die Probenarbeit des Chores in der Kinderschule unter der Interimsleitung von Emil Daniel Bischoff wieder aufgenommen, bis im Jahr 1920 Gustav Volle aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte und die Leitung übernahm. 36 Jahre lang leitete er fortan den Chor. Während des Zweiten Weltkrieges hielten sechs daheim gebliebene Bläser den Dienst aufrecht, bis nach 1945 eine stetige Aufwärtsentwicklung möglich war.
Bedingt durch die Einführung neuer „moderner" Bläserliteratur kam es Ende 1955 zu Meinungsverschiedenheiten unter den Bläsern, die eine vorübergehende Aufspaltung des Chores in zwei Bläserkreise zur Folge hatte. Jedoch schon 1956 wirkten beide Chöre wieder gemeinsam bei der Einweihung der umgebauten Andreaskirche mit.
Im selben Jahr übernahm der junge Dieter Bischoff die musikalische Leitung. Er gründete 1959 auch einen Jugend- und Schülerposaunenchor und führte den Chor auf ein beachtliches musikalisches Niveau. Die Bläserzahl stieg auf über 30 an. Daneben organisierte er die Chorarbeit nach vereinsähnlichen Strukturen und formte den Chor so, wie er sich heute noch präsentiert.
Als Dieter Bischoff schließlich zum Posaunenwart der badischen Posaunenarbeit aufrückte, leitete ab 1976 der damalige Ortspfarrer Traugott Wettach den Chor weiter.
Ende 1977 musste auch er durch seine Berufung zum Schuldekan in Emmendigen die Leitung wieder abgeben.
Seit Januar 1978 ist Lothar Stängle Leiter des Posaunenchors, der inzwischen zu einem Kreis der Evang. Kirchengemeinde Keltern-Dietlingen geworden ist.
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Der Posaunenchor Dietlingen 1962. In diesem Jahr feierte der Posaunenchor sein 60jähriges Bestehen.

vlnr hinten: Dieter Bischoff (Chorleiter), Manfred Ulmer,
Reinhard Nittel, Reiner Bürkle, Hans Nagel, Joachim Petermann, Klaus Vetter, Wilfried
Weisenbacher, Theo Mosser, Karl Bischoff, Hans Bischoff, Karl Haug, Wolfgang
Vetter (Obmann), Emil Köhler, Karlheinz Vogel, Edwin Rau, Reinhart Volle, Rudi
Vikh, Hanspeter Mitschele, Wilhelm Ulmer.
vlnr vorne: Bernd Mettel, Hans Ölschläger, Kuno Weisenbacher, Ulrich
Bischoff, Bernd Bischoff, Hans Bischoff
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Wieder ein Jubiläum: Feierstunde 1982 anlässlich des 80-jährigen Chorjubiläums

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So manches hat sich im Laufe der vergangenen hundert Jahre gewandelt:
Die Literatur der Posaunenchöre ist enorm vielfältig geworden.
Zu Beginn der Posaunenchorbewegung Mitte des 19. Jahrhunderts war der mehrstimmig geblasene Choral das Maß aller Dinge. Die Choräle waren für den „Posaunengeneral" Johannes Kuhlo (1856 – 1941) wegen ihrer Textbezogenheit „die einzig richtige Musik" für die Posaunenchöre.
Diese Lehrmeinung galt etwa bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg besannen sich unter anderem
Kuhlo-Schüler wie Wilhelm Ehmann wieder auf die Instrumental-(Blas)musik des Mittelalters und des Frühbarock und richteten diese Musik für die Posaunenchöre ein. Die Einführung dieser nun „modernen" Musik hat – wie oben erwähnt – kurzzeitig zu heftigen Auseinandersetzungen auch im Dietlinger Posaunenchor Anlass gegeben.
Daneben entstand in dieser Zeit auch eine Fülle eigens für die Posaunenchöre komponierte neue Musik.
In den letzten 20 Jahren hielten über Spiritual-Bearbeitungen auch Elemente der Popularmusik (Swing, Jazz, Blues usw.) Einzug in die Posaunenchorliteratur.Mit der Literatur veränderte sich auch das Instrumentarium.
Die Instrumente der ersten Posaunenchöre kamen hauptsächlich aus Militär- und Volksmusikkapellen. Es war oft eine bunte Sammlung unterschiedlicher Bauweisen und Stimmungen. Auch im Dietlinger Posaunenchor hielten sich noch bis in die 60er Jahre Trompeten, Flügelhörner, Waldhörner, Posaunen, Tenorhörner, Tenortrompeten und Tuben in den Stimmungen B, Es, F und C.
Johannes Kuhlo plädierte für eine einheitlich Flügelhorn-Besetzung, um seinem Klangideal, der menschlichen Stimme, möglichst nahe zu kommen.
Die Entdeckung mittelalterlicher und frühbarocker Bläsermusik für die Posaunenchöre verlangte nach engeren Mensuren, also Trompeten und Posaunen. So traten die Hörner in den Chören nach und nach in den Hintergrund. Der Dietlinger Posaunenchor ist heute nahezu einheitlich – bis auf Bariton und Tuba - mit Trompeten und Posaunen in B-Stimmung besetzt, was sich auf die Homogenität des Chorklangs positiv auswirkt.
Für die Interpretation von Popularmusik wird das Instrumentarium heute gerne ergänzt durch Schlagzeug, Keyboard u. a.Geändert hat sich auch die Zusammensetzung des Chores hinsichtlich der Musizierenden.
War das Blasen ursprünglich reine Männersache, so freuen sich die Posaunenchöre heute über jede Bläserin.
Auch in Dietlingen gehören Mädchen und Frauen seit den 70er Jahren selbstverständlich und unverzichtbar zur Bläserfamilie.
Manches hat sich über die hundert Jahre aber auch erhalten:
In unseren Posaunenchören blasen oft Bläserinnen und Bläser aus drei Generationen mit. Der Generationenkonflikt ist hier kein Thema.
Und vor allem: die Zielsetzung der Posaunenchöre ist über mehr als hundert Jahre die gleiche geblieben. Sie wurde allenfalls zeitgemäßer formuliert, so auch in Dietlingen.
Was im Vertrag von 1902 festgeschrieben wurde, liest sich in der „Ordnung für den evangelischen Posaunenchor Dietlingen" aus dem Jahr 1986 so:
„Die Posaunenmusik hat teil am Zeugnis und Gotteslob der Christen und hilft mit, es zu erwecken und wachzuhalten innerhalb und außerhalb des Gottesdienstes der Gemeinde."
Daran wird sich auch in den nächsten hundert Jahren nichts ändern.
(Text: Lothar Stängle)
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